“Schad um’s Gewächshaus”
September 28, 2009
Das war das erste, was ein Besucher beim Verlassen der Loge mir offensichtlich mitteilen musste. “Die haben da Feuerwerkskörper im Gewächshaus explodieren lassen”.
Derzeit wird “in mitten des prinzips” eine künstlerische Arbeit des Künstlerduos eggerschlatter in der Loge in Bern gezeigt.

Man betritt einen verdunkelten Raum in dem sich eine Leinwand befindet, links daneben besagtes Gewächshaus. Vor der Leinwand auf dem Boden sind mehrere Spiegelplatten ausgelegt.
Der Video auf der Leinwand beginnt mit einer Kameraeinstellung, die von der Stimmung ein wenig an ein Gemälde aus der Romantik erinnert und eine Ode an das Sublime der Natur zu halten scheint. Eine laue idyllische Sommernacht, zwei Musizierende in rotem und grünen Abendkleider, in der Mitte das selbe Gewächshaus, dass sich im Raum des Betrachters befindet. Eine der Personen spielt Handorgel, die andere singt opernarienanmuten. Vor ihnen liegen, ebenso wie vor dem Betrachter im Raum, die Spiegelplatten.

Die Szene wirkt durchschichtet. Das Setting mit den Bergen, der Handorgel, dem Alpenpanorama im Hintergrund suggerieren Volkstümlichkeit, Naturverbundenheit. Dies wird durch die Galaabendbekleidung der Musizierenden und diesem arienähnlichen Johlen gebrochen, das mehr und mehr etwas schamanenhaftes bekommt. Mit der Präsenz einer weissen Eule wird ein weiterer Drall in diese Richtung evoziert. Als die Szenerie den Höhepunkt an Mysik zu erreichen scheit, wird durch einen radikalen Cut und einem Close-up auf eine grinsende Plastikhasenmaske eine weitere, absurde Ebene eröffnet. Diese Tiermaskenwesen, von der Plastikkuh bis zum Gorilla mit Krönchen strömen aus dem Gewächshaus und befestigen ca. zehn auf Karton aufgezogene Abbildungen von Wölfe in Lebensgrösse auf der Wiese neben den Musikanten. Das mystisch-schamanenhafte wird wieder aufgebaut und durch die Präsenz all der Tiere verstärkt. Die Zündschnur wird gezündet und diesmal durchbricht das aus dem Gewächshäuschen knallende und blitzende Feuerwerk, das in die in stille Sommernacht gejagt wird, die eingenartige Zusammenkunft.
Beim Blick auf das Geknalle sind weder Kartonwölfe, Menschen, Eule oder Tierwesen mehr zu sehn.
Es fragt sich nun, in mitten welchen Prinzips man sich nun befindet.
Das Video auf der Leinwand schlägt durch die Gegenstände im Innenraum die Brücke zwischen dem Raum des Betrachters in der Realität und dem vergangenen Raum im Wald. Wird im Video in die Spiegelplatten am Boden gefilmt und die Personen auf dem Kopf gezeigt, so sieht der Betrachter in den Spiegeln im Ausstellungsraum das geschehen „richtig“. Realität wird konstruiert und zugleich wieder entzogen. Die Illusion wird kurz entfacht, Teil des Happenings dort im Wald zu sein, obschon man rein zeit-raum-technisch ausgegrenzt sein muss. Man fühlt sich dabei und dennoch draussen. Was bleibt ist zumindest Irritation.
Auf dem Flyer wird Gilles Deleuze zitiert. Vom Besucher vor Ort wird die Zerstörung eines nützlichen Gegenstandes bemängelt. Es tut sich einmal mehr die Frage auf, wie viel Theorie man verstehen und gelesen haben muss, um Kunst in der heuten Zeit folgen zu können?!